Charly's Website  
 

 
Erziehung
 

 

Wie erziehe ich meinen Hund artgerecht?

Erschienen in: du und das tier 3/2005, Seite 12 - 14 - pdf-Version
 
Hundekenner wissen, den Hundertprozent verlässlichen Hund gibt es nicht. Ein Hund bleibt ein Wolf im Hundepelz. Es liegt in der Verantwortung des Hundehalters, sich ausreichend über die Bedürfnisse seines Vierbeiners zu informieren und ihn tiergerecht zu erziehen.
 
Obwohl es massenhaft Literatur zum Thema Hunderziehung gibt, Hundeschulen gleichsam wie Pilze aus dem Boden sprießen, in den Medien „Superfrauchens“ ihr Wissen an Familien ausprobieren und die Vielfalt an Erziehungsmitteln im Handel täglich wächst, scheint es zunehmend Probleme mit Hunden zu geben.
 
Nach aktuellen Medienberichten über Beißunfälle mit Hunden ist z.B. die Diskussion um generellen Leinenzwang für Hunde wieder entfacht. Einige Bundesländer, beispielsweise Bremen, haben erkannt, dass Auflagen und Verbote lediglich zu Verunsicherungen führen, jedoch wenig zur Gefahrenvorbeugung beitragen und setzen stärker auf die Sachkunde des Hundehalters.

 

Hunde büßen für die Fehler ihrer Menschen

Aus Sicht des Tierschutzes ist diese Forderung ganz eindeutig der zentrale Ansatz: Denn nicht nur die Menschen sondern auch die Hunde bedürfen eines Schutzes. Unfälle resultieren oft genug aus einem Unverständnis gegenüber unserem treuen Vierbeiner und aus fehl geschlagenen Erziehungsversuchen, die für Mensch und Hund schwerwiegende Folgen haben können.
 
Worauf kommt es nun aber in erster Linie bei der sachkundigen Erziehung eines Hundes an? Zunächst einmal ist festzuhalten, die richtige Erziehungsmethode gibt es nicht. Voraussetzung für eine hundegerechte Erziehung ist, dass der Hundehalter das arttypische Verhalten – die Sprache - seines Hundes erkennen und richtig deuten kann. Das Hundeverhalten mit menschlichen Maßstäben zu messen und zu werten, ist hierbei nicht angebracht, ja – sogar schädlich.
 
Mit der Hundeerziehung kann nicht früh genug begonnen werden. Vom ersten Tag im neuen Heim an – egal ob Welpe oder erwachsener Hund – muss das Ziel kontinuierlich und konsequent verfolgt werden. Wer einmal nachgiebig ist, hat es später schwerer, dem Hund das unerwünschte Verhalten wieder abzugewöhnen. Nicht nur klare Regeln, auch der so genannte Grundgehorsam, welcher das Befolgen von einfachen Übungen wie z.B. Hinsetzen, Hinlegen und Herankommen auf Zuruf beinhaltet, macht das Zusammenleben von Mensch und Hund leichter. Je nach Alter und individueller Veranlagung des Hundes muss der Halter einen Weg finden, sein Tier unmissverständlich und dabei stets tiergerecht zu erziehen. Junge Hunde, die nach einer kurzen Eingewöhnungsphase im neuen Heim eine Welpen- bzw. Junghundgruppe besuchen, lernen Sozialverhalten mit Artgenossen und sind später bekanntlich verträglicher -vorausgesetzt bei der Gruppenzusammenstellung wird auf Alter und Größe der Tiere Rücksicht genommen.
 
Zu beachten ist weiterhin, dass insbesondere junge Hunde ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis haben und nicht überfordert werden dürfen.
 
Wichtig ist bei der Erziehung, dass der Hund nicht den Spaß am Lernen verliert und auch mental durch neue Übungen motiviert wird. Übungen dürfen deshalb nicht zu lang sein und müssen durch Pausen unterbrochen sein. Mindestens genauso wichtig wie die eigentliche Erziehung ist die Beschäftigung in Form von Spiel und Streicheleinheiten. Ständiges Reglementieren und Kommandieren schadet der Bindung vom Hund zum Menschen und lässt den Vierbeiner im schlimmsten Fall gar nicht oder nur aus Unterwürfigkeit, gar Angst gehorchen.
 
Nach dem heutigen Kenntnisstand ist eine Erziehung mit positiven Verstärkern (z.B. ausgiebiges Lob, Belohnung mit Futter, Gabe von Spielzeug) von nachhaltigster Wirkung. Was selbstverständlich nicht heißt, dass ein mit Nachdruck gesprochenes „Pfui“ oder  „Nein“ bei unerwünschtem Verhalten keinen positiven Einfluss auf das spätere Verhalten des Hundes hat. Die Kunst hierbei ist, den richtigen Zeitpunkt für die Korrektur zu finden. Denn damit der Hund das „Nein“ mit seinem Fehlverhalten in Verbindung bringen kann, muss der Ruf in unmittelbarer Folge der Hundeaktion ertönen.

 

Nicht jeder Trainer ist auch ein Hunde-Flüsterer

Hundeerziehung, eine Wissenschaft für sich? Literatur zum Thema gibt es genug. Aber nicht alles Geschriebene ist lese–, geschweige denn praxistauglich. Bei der Suche nach dem richtigen Ratgeber sollte man deshalb auf das Fachwissen des Autors setzen und sich z.B. mit Hilfe von Rezensionen und Auskünften von Hundekennern vorab informieren. Ein gutes Buch muss den Leser umfassend über Abstammung, Bedürfnisse, Verhalten und Erziehung des Hundes informieren. Zu empfehlen ist dabei, sich nicht auf ein einziges Buch allein zu verlassen. Auch guter Rat von Experten ist für den unerfahrenen Hundehalter von hohem Nutzen – vorausgesetzt es handelt sich um den Rat von echten Hundekennern.
 
Was aber tun, wenn sich bereits Erziehungsprobleme etabliert haben? In den meisten Fällen ist es ratsam, einen Fachmann hinzuzuziehen, der gemeinsam mit dem Hundehalter sozusagen von vorne beginnt. Für alles Weitere werden in der Regel zunächst Gehorsamsübungen eintrainiert. Diese bilden die Grundlage für weitere Übungen, die insbesondere das jeweilige Problemverhalten betreffen.
 
Leider ist es nicht einfach, Fachkundige von selbst ernannten „Hundeflüsterern“ zu unterscheiden. Nach wie vor werden außer dem Nachweis der Sachkunde (nach § 11 Tierschutzgesetz) für die Eröffnung einer Hundeschule keine Qualitätsnachweise gefordert.
 
Auf der Suche nach einer seriösen Hundeschule, bei der der örtliche Tierschutzverein sicherlich gerne behilflich ist, gilt es, zunächst einmal kritisch dem Angebot gegenüber zu stehen und auf bestimmte Kriterien zu achten. Bei Missfallen sollte man sich nicht scheuen, die Ausbildungsstätte zu wechseln. Ziel einer jeden Hundeschule muss es sein, fachlich fundiertes Wissen an den Hundehalter weiterzugeben. Ein guter Hundetrainer kann u. a. langjährige Praxis in der Arbeit mit Hunden nachweisen, hat regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen besucht und / oder eine Ausbildung mit Schwerpunkt Verhalten und Erziehung durchlaufen. Gute Hundeschulen bieten so genannte „Schnupperkurse bzw. –stunden“. Sie trainieren in der Regel Halter und Hund gemeinsam und verwenden ausschließlich tierschutzgerechte Hilfsmittel. Hierzu gehören z.B. Kopfhalfter (Halti), Langleine (Longe) und Klicker, die bei der Arbeit mit dem Hund unterstützend wirken können. Aber diese Hilfsmittel haben nur dann einen Wert, wenn sie korrekt eingesetzt werden.
 
Leider lässt die fachliche Beratung im Handel oftmals zu wünschen übrig. Kopfhalfter werden als die Führhilfe schlechthin angeboten, ohne jegliche Gebrauchsanweisung. Um mit diesem Hilfsmittel Erfolge erzielen zu können, muss man jedoch wissen, auf welche Weise und in welchen Situationen es eingesetzt wird.
 
Auf keinen Fall eingesetzt werden sollten Stachel- oder Kettenhalsbänder, Elektroreizgeräte und sonstige Mittel, die dem Tier Schmerzen, physische oder psychische Leiden zufügen können.
 
Das Resultat nicht artgerechter Erziehung führt oftmals zur Abgabe oder gar zum Aussetzen der Tiere. Tierheimmitarbeiter kennen das Produkt fehl geschlagener Erziehung. Häufig haben sie mit Hunden zu tun, die wenig Gehorsam gelernt haben, sich dem Menschen nur schwer unterordnen und nicht ausreichend mit Artgenossen sozialisiert wurden. Oftmals mussten diese Tiere zudem schlechte Erfahrungen mit Menschen machen. Solche Hunde sind im Umgang schwierig und ohne Therapie kaum wieder vermittelbar.
 

Projekt zur Resozialisierung

Speziell für den Umgang mit Problemhunden im Tierheim führt der Deutsche Tierschutzbund in seinem Tier-, Natur- und Jugendzentrum in Schleswig-Holstein ein Projekt durch. Ziel dieses Projektes ist es u. a., Möglichkeiten und Methoden der Resozialisierung von verhaltensauffälligen Tierheimhunden wissenschaftlich zu erforschen und zu erproben. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass Problemverhalten durchaus mit Hilfe von individuell abgestimmten tiergerechten Erziehungsmethoden grundsätzlich in den Griff zu bekommen ist.
 
Die ersten resozialisierten Hunde konnten an verantwortungsvolle Besitzer abgegeben werden. Auch wenn diese Arbeit lohnend und erfolgreich ist – aus Sicht des Tierschutzes kann sie nur beispielhaft sein. Die Sachkunde des einzelnen Hundehalters ist und bleibt der Schlüssel zu einer erfolgreichen Hundeerziehung.
 
10 goldene Regeln für die Hundeerziehung:
 

  • Hundeverhalten genau beobachten und deuten
     
  • Hunde nicht vermenschlichen
     
  • Individuelle Bedürfnisse des Hundes berücksichtigen
     
  • Klare Regeln aufstellen und konsequent verfolgen
     
  • Klare Signale (Stimme, Sichtzeichen) geben
     
  • Stets gleiche Hörzeichen verwenden
     
  • Ausgiebiges Loben nicht vergessen
     
  • Unerwünschtes Verhalten sofort korrigieren
     
  • Nur tierschutzgerechte Hilfsmittel verwenden
     
  • Im Zweifelsfall fachlichen Rat einholen

Die Homepage enthält Javascripte und ist für eine Bildgröße mit 1024 x 768 Pixel erstellt worden.
      Bitte im Browser Javascript und Active X aktivieren.

  http://charly.sylvi.biz © Sylvia Hinz März 2008